Gesellschaftliches Hirn

Als ich zum Ende meiner Businesskarriere auf 25 Jahre im internationalen Geschäft zurück blickte, fand ich, dass die Arbeit für die meisten früher ganz locker luftig im Rahmen war, viele Menschen ordentlich verdienten und die Firmen trotz deutlich geringerer Effizienz als heute gute Gewinne einfuhren. Speziell in Industrie und Großfirmen musste sich also keiner wirklich den Fuß ausreißen und dem Handwerker war es noch möglich, alleine für den Familienunterhalt zu sorgen.

 

Unsere Technik wurde die letzten Jahrzehnte immer besser und hat in der IT und aber auch in der Robotik teils Quantensprünge hingelegt. Doch wenn man heute seine Arbeitskollegen, Kunden, Lieferanten oder sich selbst im Spiegel anblickt, findet man reihenweise gestresste und erschöpfte Menschen. Technik nimmt uns Arbeit ab, erleichtert uns das Leben, aber wir arbeiten immer intensiver!? Da stimmt doch was nicht! Und siehe da, wenn man bisserl nachdenkt, findet man einen riesengroßen Wurm in unserem System des Wirtschaftens.

Ja wo laufen wir denn hin?

Dank Hightech nehmen uns Maschinen immer mehr Arbeit ab. Produkte können damit immer schneller und effizienter, mit weniger Arbeitsaufwand hergestellt werden. Seltsamerweise zwingt uns das aber, immer schneller und effizienter zu arbeiten! Na hoppala, wie geht das denn zusammen?!

 

Letztendlich treten wir im Rahmen eines ungebremsten, marktwirtschaftlichen Systems als Arbeitnehmer in Konkurrenz zu den von uns geschaffenen Maschinen. Anders ausgedrückt: In einer Hightech-Nation, in der Maschinen Arbeit abnehmen, ist es absolut dämlich, Geld nur auszuzahlen, wenn man etwas arbeitet! Dieser Grundsatz einer freien Marktwirtschaft zwingt uns bereits seit zehn bis 15 Jahren zu künstlichen bis gar perversen Nachfrageschöpfungen wie Sollbruchstellen, Geschmacksverstärker in Lebensmitteln, auf Umsatz statt Gesundheit getrimmte Arzneimittel, etc. Sobald wir hier ein den heutigen Bedingungen angepasstes Wirtschaftssystem gefunden haben, sind wir dank Hightech schon fast im Paradies auf Erden!

 

Eine Lösung dafür ist z.B. bedingungsloses Grundeinkommen oder anders gesagt, ein "Hightech-Effizienz-Ausgleich". Eine Gesellschaft, die sich einen entsprechenden, technologischen Standard geschaffen hat, zahlt für die Arbeit, welche Maschinen übernommen haben, Geld an die Bevölkerung aus. Dadurch kann sich eine Gesellschaft das leisten, was sie in der Lage ist zu produzieren.

 

Geld ohne Arbeit, weil die Arbeit ja Maschinen machen! Klingt zu einfach? Einfache Lösungen sind meist die besten. So wie man Elefanten nicht mit dem Mikroskop sucht, so ist komplexes, detailorientiertes Denken auch nicht das richtige Mittel für die Lösung großer Zusammenhänge. Hier ist einfaches denken gefragt - daher kommt der Begriff "einfach genial".

 

Ehrlich gesagt ist es mir eher ein Rätsel, wie man sich als Prof. Dr. der Volkswirtschaftskunde in gut bezahlte Posten, von mir als Bürger finanzierter Institute pflanzen kann und über Jahrzehnte hinweg massive, systemische Missstände verpennt. Wacht auf Männer und Frauen der volkswirtschaftlichen Künste - it´s your turn! Es ist ein volkswirtschaftliches Armutszeugnis, dass ich als Heilpraktiker hier auf meiner Webseite darauf aufmerksam machen muss, weil das überhitzte Wirtschaftsgetriebe mittlerweile zu einem Gesundheitsrisikofaktor erster Klasse heran gewuchert ist. Der Effizienz- und Leistungswahn schleudert als direkte Folge Menschen in Depression, Erschöpfung & Burn-out und hat indirekt zahlreiche andere Krankheiten im Schlepptau!

 

 

Um Himmelswillen! Ist mein Sohn etwa dumm?

Wenn ich meinem 10-jährigen Sohn sage, dass nichts zu tun ist, weil der Rasen schon gemäht ist und Muttern das Haus schon sauber gemacht hat, dann verfällt er seltsamerweise nicht in Depression und beginnt als obligatorische Arbeitsbeschaff-ungsmaßnahme damit, die Anzahl der Ameisen im Garten zu katalogisieren. Er freut sich und geht spielen. 

 

Wenn es in unserem Staat oder bei unseren Unternehmen gerade nichts zu tun gibt, weil gerade niemand etwas braucht, dann ist das ganz furchtbar. Da werden wir alle unruhig, bekommen existenzielle Ängste und verfallen mit den Börsen in die Depression. 

 

Das versteht mein Sohn nicht und ich weiß nicht, wie ich es ihm begreiflich machen soll. Ist er etwa dumm?